Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit und Aufklärung 
in Westmecklenburg

Miteinander reden...
Voneinander lernen...
Füreinander da sein...

...immer eine offene Tür!

Besuchen Sie uns doch auch auf facebook...

Behandlung / Therapie

Bei den Ansätzen zur Behandlung muss man zwischen der Bekämpfung der durch die Infektion auftretenden Sekundärerkrankungen und der Bekämpfung des HI-Virus unterscheiden. Die Sekundärerkrankungen können therapeutisch behandelt werden, obwohl es häufig zu Rückfällen und Neuinfektionen kommt. Es existiert allerdings keine Impfung gegen die HIV-Infektion.

Medikamente gegen die Vermehrung von HIV (antiretrovirale Therapie = ART)

Die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten wird seit Mitte der 90er Jahre angewendet und hat die Lebenserwartung von Menschen mit HIV deutlich verlängert und die Lebensqualität verbessert. Mittlerweile stehen über 20 antiretrovirale Medikamente zur Verfügung. Da HIV gegen ein einzelnes Medikament sehr schnell resistent wird, werden in der Regel drei oder vier Medikamente gleichzeitig eingesetzt (Kombinationstherapie). Ziel der Therapie ist es, schwere Erkrankungen, (d. h. das Stadium Aids) gar nicht erst aufkommen zu lassen. Normalerweise gelingt es, die Virusvermehrung praktisch vollständig zu unterdrücken. Drei Monate, maximal 6 Monate nach Therapiebeginn sollte die Viruslast nicht mehr nachweisbar sein. Das Immunsystem kann sich dann erholen. Über Monate und Jahre steigt dann die Zahl der Helferzellen wieder an.

Derzeit werden Medikamente aus vier Medikamentengruppen oder Wirkstoffklassen gegen HIV eingesetzt; sie setzen an verschiedenen Stellen der Virusvermehrung an:

· NRTI (nukleosidanaloge bzw. nukleotidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) schleusen sich als falsche Bausteine in die menschliche Zelle ein. Auf diese Weise verhindern sie, dass die HIV-Erbinformation durch das viruseigene Enzym «Reverse Transkriptase» (RT) umgeschrieben (transkribiert) wird, damit sie zur menschlichen Erbinformation passt: von einsträngiger RNA zu doppelsträngiger DNA*.

RNS/DNS: Abk. für Ribonukleinsäure bzw. Desoxyribonukleinsäure; Träger der Erbinformation.

· NNRTI (nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) dagegen blockieren direkt die Reverse Transkriptase.

· PI (Protease-Inhibitoren) hemmen das viruseigene Enzym «Protease», eine Eiweiss-Schere, welche Vorstufen viraler Eiweisse in funktionstüchtige Einheiten zerschneidet. Damit wird die Produktion neuer HI-Viren in den menschlichen Zellen vermindert.

· Entry-Inhibitoren verhindern, dass HIV an die Zielzelle andocken bzw. nach dem Andocken mit dieser verschmelzen kann.


Bei der heute aktuellen Therapie gegen HIV werden mehrere Wirkstoffe dieser Wirkstoffklassen gleichzeitig eingesetzt, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Deshalb spricht man von einer Kombinationstherapie gegen HIV.

Eine weitere Wirkstoffklasse ist in Entwicklung:

· Integrase-Inhibitoren sollen das HIV-eigene Enzym «Integrase» hemmen, das die umgeschriebene Virus-DNS in die menschliche DNS einbaut.

Die meisten der heute verfügbaren Medikamente gegen HIV sind in der Schweiz zugelassen. Andere sind über internationale Apotheken oder entsprechende Zugangsprogramme der Hersteller erhältlich. Ärzte und Ärztinnen von HIV-Behandlungszentren oder -Schwerpunktpraxen können hierüber informieren.

Probleme der Therapie

Die Wirksamkeit antiviraler Substanzen wird für die Patienten am stärksten durch mögliche Nebenwirkungen, die zur Dosisreduktion oder zum Absetzen führen können, eingeschränkt, noch stärker aber durch die Entwicklung von Resistenzen gegen die verwendeten Medikamente. Als Faustregel gilt: Je deutlicher es gelingt, die Virusmenge zu unterdrücken, heute ist dies um das Hundert- bis Tausendfache möglich, desto geringer ist das Entwicklungspotential für Resistenzen.

Die Entstehung von Mutanten, also vom Normaltyp abweichende Formen des Virus kann dadurch in ihrer Wirkung begrenzt werden, dass man mehrere Medikamente parallel verabreicht. Der oft minimale Unterschied zum Normaltyp zeigt sich in der Eiweißzusammensetzung. Eiweiße bestehen aus Aminosäuren. Geringfügige Verschiebungen manchmal nur einzelner Aminosäurebausteine können eine Resistenz gegenüber dem eingesetzten Medikament zur Folge haben. Es vermehrt sich dann vornehmlich die Mutation und es kommt zum Wiederanstieg der vorher niedrigen Virusbelastung.

Durch Kombinationsbehandlung kann die Neigung zur Resistenzbildung vermindert werden. Manchmal kann ein Wechsel auf ein anderes Medikament aus der gleichen Wirkgruppe den Therapieerfolg verbessern bzw. wiederherstellen.

Jeder Mensch reagiert auf ein Medikament anders. Aus unseren Erfahrungen wissen wir, das viele unserer Patienten wenige Nebenwirkungen der Therapie verspüren. Sollten jedoch Nebenwirkungen auftreten, die im Einzelfall für den Betroffenen unerträglich sind, gibt es auch hier sehr gute Möglichkeiten der medikamentösen als auch psychologischen Begleitung und Betreuung. Letztendlich stehen hier auch mehrere Therapieoptionen offen. Auf jeden Fall empfehlen wir die Behandlung an einer ausgewisenen HIV-Schwerpunktpraxis, die Erfahrungen im Umgang mit HIV hat, durchzuführen. Wir geben hier gerne Adressen und weitere Informationen!

Typische Beschwerden und Nebenwirkungen:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lesitungsknick
  • Fieber, Nachtschweiß
  • Apetit- und Gewichtsverlust
  • Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen
  • Schluckbeschweren
  • Husten
  • Haut- und Schleimhautveränderungen
  • Kopfschmerzen
  • Änderungen des Blutbildes

In den meisten Fällen treten die Nebenwirkungen besonders zu Beginn der Therapie auf und verschwinden nach einigen Wochen. Der behandelnde Arzt wird Sie gern weiter beraten und scheuen Sie sich nicht, bei Ängsten sich vertrauensvoll an Ihren Arzt zu wenden!