Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit und Aufklärung 
in Westmecklenburg

Miteinander reden...
Voneinander lernen...
Füreinander da sein...

...immer eine offene Tür!

Besuchen Sie uns doch auch auf facebook...

Medikamente d. HIV-Therapie

Die regelmäßige Einnahme der antiretroviralen Kombinations-Präparate gewährleistet einen relativ konstanten Substanzspiegel im Körper eines Patienten. Deshalb ist es wichtig, diesen Substanz- bzw. Medikamentenspiegel immer auf dem gleichen Niveau zu halten. Nur so kann die bestmögliche Wirksamkeit gegen die Vermehrungstätigkeit des HIV erreicht und die Bildung von Resistenzen so lange wie möglich hinausgezögert werden. Ein einmaliges Vergessen einer Tablette ist allerdings auch kein Drama. - Also keine Panik!

Bei Reisen sollte man sich schon im Vorfeld ausreichend Tabletten für die gesamte Dauer zusammenstellen. Infos über Ärzte und Anlaufstellen sind für mögliche Notfälle sehr hilfreich. "Drug Holidays" als Medikamentenersatz sind grundsätzlich wegen der Therapiepause abzulehnen.

Begleitend zur Therapie mit Medikamenten musst Du Dich zur Stärkung Deines Körpers auch richtig ernähren. Durch die Ausübung der richtigen sportlichen Aktivitäten fühlst Du Dich nicht nur wohler, sondern machst Deinen Körper auch widerstandsfähiger.

Viele HIV-Patienten kämpfen im Laufe der Zeit mit starkem Gewichtsverlust. Dem solltest Du unbedingt mit der richtigen Ernährung rechtzeitig entgegenwirken. Deine Kost muss abwechslungsreich, ausgewogen und vollwertig sein.

Deine individuelle Lebensqualität aber auch Deine Überlebenszeit kannst Du durch eine bewusste Lebensweise wesentlich beeinflussen!

Nachfolgende Listen sind eine Übersicht über die z.Z. zugelassenen Medikamente zur Behandlung von HIV, sowie Medikamente die sich in der Entwicklung befinden.

Zur Behandlung von HIV werden dabei meistens drei Wirkstoffe in Kombination angewendet - daher Kombinationstherapie oder Kombi.

Wichtiger Hinweis:

Die hier genannten Informationen wurden von den Herstellern der jeweiligen Medikamente zur Verfügung gestellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der gemachten Angaben kann trotz aller Bemühungen nicht übernommen werden! Stand: 8. Juni 2006

Ebenfalls ersetzen diese Informationen nicht den für Patienten bestimmten Beipackzettel eines Medikaments bzw. die jeweils neueste Fachinformation für Ärzte und Fachkräfte!

Bei Fragen wende Dich bitte an Deinen behandelnden Arzt bzw. an den Hersteller des jeweiligen Präparats!

Angriffspunkt - Reverse-Transkriptase

Die Reversen-Transkriptase ist ein Angriffspunkt im Vermehrungszyklus von HIV. Die "Umwandlung" von RNA zu DNA wird durch das viruseigene Enzym Reverse-Transkriptase durchgeführt heir werden Nukleotide miteinander zu einer langen DNA-Kette verbunden. Der Einbau der Erbinformationen des Virus in die menschliche Wirtszelle wird durch eine Hemmung der Reversen-Transkriptase gestoppt. Diese Substanzen fasst man in der Gruppe der Reverse-Transkriptase-Hemmer (engl. reverse transcriptase inhibitor, kurz RTI) zusammen.

Es gibt hier zwei Typen: NRTIs und NNRTIs

Nukleosidartige Reverse-Transskriptase-Hemmer (NRTIs):

Als erste Substanzgruppe wurden die NRTI entwickelt. Dies sind Substanzen, die einen der für die Virusvermehrung notwendigen Botenstoffen (Enzyme), die Reverse-Transkriptase, hemmen. Der älteste, auch heute noch am häufigsten verwendete Stoff ist das Zidovudin (AZT). Weiterhin gehören in diese Klasse das Didanosin (ddl), das Zalcitabin (ddC), das Stavudin (d4T) sowie das Lamivudin (3TC).
Heute sind 2 NRTIs oft der Hauptbestandteil einer HIV-Therapie.
NRTIs werden oft auch "nukes" genannt.

Nichtnukleosidartige Reverse-Transskriptase-Hemmer (NNRTIs):

Die NNRTIs sind seit einigen Jahren in Erprobung. Sie zeigten zunächst im Reagenzglas (in vitro), dann auch bei ersten Einsätzen bei Patienten (in vivo) eine relativ starke Hemmung der Virusvermehrung. Die meisten Ergebnisse liegen bisher für die Substanzen Dela- virdin, Nevirapin und Loverid vor. Diese Medikamente müssen auf jeden Fall mit Medikamenten aus den anderen beiden Gruppen (NRTI und PI) kombiniert werden, da sie zwar eine sehr gute Wirksamkeit in Bezug auf die Senkung der Viruslast haben, aber bei alleiniger Anwendung zur schnellen Entwicklung von Resistenzen führen.

Ein NNRTI wird oft mit 2 NRTIs als eine Alternative zu den Protease Inhibitoren eingesetzt. NNRTIs werden auch als "non-nukes" bezeichnet. Kombinationen zwischen NRTIs und NNRTs: Truvada ™ (Tenofovir und FTC)

Häufig angewendete 2-fach Kombinationen, die Bestandteil einer 3-er oder sogar 4-fachen Kombination von antiretroviralen Medikamenten sind:

  • d4T/ddI
  • AZT/3TC (oft als kombiniertes Medikament, genannt Combivir ™ gegeben)
  • d4T/3TC, AZT/ddI

Kombinationen, die auf Grund möglicher Nebenwirkungen und/oder Interaktionen vermieden werden sollten: d4T/AZT oder d4T/ddC oder ddI/ddC

3 Nucleoside Analoga sind jetzt als ein Medikament verfügbar. AZT, 3TC und Abacavir sind jetzt in einer Tablette als Trizivir ™ vereint.

Nucleotide Analoge Reverse Transkriptase Inhibitoren

Nucleotide Analoge Reverse Transkriptase Inhibitoren wirken ebenfalls gegen das Protein Reverse Transkriptase.
Ein Medikament dieser Klasse (Tenofovir, Viread ™) wurde im Februar 2002 in der EU zugelassen.

Angriffspunkt - Protease

Die viruseigene "DNA" wird von der Wirtszelle kopiert. Die entstehende RNA dient wiederum als Vorlage und weiter als Bausteine für neue Viren. Die Proteine sind zunächst lange Ketten und miteinander verbunden und sind so nicht funktionsfähig. Die einzelnen viralen Proteine müssen noch aus dieser Kette herausgeschnitten werden. Dafür wird auch wieder ein viruseigenes Enzym - die Protease - benutzt. An dieser Stelle findet sich ein weiterer Angriffspunkt für eine antiretrovirale Therapie. Substanzen, die diese virale Protease hemmen können, werden unter der Gruppe der Protease-Hemmer (engl. protease inhibitor, kurz PI) zusammen gefasst.

Eine mögliche Therapie wird heute in der Regel mit einer Dreifach-Kombination aus zwei Nukleosidanaloga und einem PI oder einem NNRTI begonnen.

Protease Inhibitoren (PIs)

Das Enzym Protease, neben der Reversen Transkriptase und der Integrase für die Virusvermehrung unentbehrlich, wird durch die Substanzklasse der Protease-Inhibitoren gehemmt. Zur Verfügung dafür stehen zur Zeit das Indinavir, das Nelfinavir, das Ritonavir sowie das Saquinavir. Von der Pharmaindustrie werden ständig neue Präparate entwickelt und getestet. Die Hemmung der Virusvermehrung ist bei den PI bisher am ausgeprägtesten. Ein Problem bei den Protease-Inhibitoren ist die starke Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder auch bestimmten Lebensmitteln wie z.B. mit Grapefruitsaft, die die Wirksamkeit der Medikamente erhöhen, aber auch die Gefahr der Nebenwirkungen.

Protease Inhibitoren waren die 2. verfügbare Klasse von Medikamenten zur Behandlung von HIV. Bei einer Therapie mit PIs kann man entweder ein Medikament dieser Klasse oder 2 gemeinsam einnehmen. Genauso wie man 2 NRTIs einnehmen kann. Gebräuchliche Kombinationen von 2 PIs sind:

  • Ritonavir/Saquinavir
  • Indinavir/Ritonavir
  • Lopinavir/Ritonavir

Es gibt mittlerweile auch Studien, in denen die Einnahme von 3 PIs als alleinige HIV-Therapie getestet wird. Dieses Konzept ist allerdings noch sehr neu und es stehen noch nicht alle Vor- und Nachteile einer solchen Behandlung fest und sollten daher nur von sehr erfahrenen Ärzten und unter genauster Überwachung der Laborparameter angewendet werden! Eine gängige Kombination nach diesem Schema sind z. B.:
Lopinavir/Ritonavir und Saquinavir

Andere verfügbare Kombinationen können einen oder 2 PIs enthalten, ein NNRT und ein oder 2 NRTIs. Falls es ein Therapieversagen bei Patienten gegeben hat, wird von manchen Ärzten auch eine Kombination von vier oder mehr Präparaten empfohlen.

Angriffspunkt - Eindringen des Virus in die Zelle

Uber sein Hüllprotein gp120 dockt das Virus an das CD4-Molekül der Zelle an und dringt so in die Zelle ein. Dieser Vorgang der als „Fusion“ bezeichnet wird, wird über das Virusprotein gp41 gesteuert. Fusionsinhibitoren hemmen gp41 und unterbinden damit das Eindringen von HIV in die Zelle. Derzeit ist in dieser Medikamentengruppe allerdings nur ein Wirkstoff zugelassen.

Bisher ist nur ein Medikament dieser Klasse verfügbar:

T-20, Enfuvirtid, Fuzeon ™

Aufgrund der schnellen Resistenzentwicklung gegen Fuzemon ™, darf auch dieses Medikament nur in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten eingesetzt werden.

Immuntherapie

Eine  Immuntherapie durch Interleukine, z. B. Interleukin 2, oder therapeutische Vakzine, hat bisher nicht zu einem sichtbaren klinischen Erfolg geführt

 

 Übersicht über die Medikamente der HIV-Therapie >>>